Tschechow

Wer war dieser Mann und warum seine Methode?

 

Erst einmal die Antwort auf die meistgestellte Frage: 

- Nein, er hat nicht die Möwe geschrieben. Das war sein Onkel, Anton Tschechow.

 

Dann die wohl wichtigste Frage für uns Schauspieler: Welche prominenten Schauspieler arbeiten denn mit seiner Methode?

-Zu den Schauspielern gehören/gehörten: Marylin Monroe, Jack Nicholson, Clint Eastwood, Anthony Hopkins, Johny Depp, Gregory Peck und viele Andere.

 

Mikhail Aleksandrovich Tschechow wurde im August 1891 in St. Petersburg, Russland geboren. 1912 wurde er Mitglied am Moskauer Künstlertheater, wo er zuerst Schüler und dann Mitarbeiter von Konstantin Stanislawski war.

1928 verlies er Russland und spielte an verschiedenen Theatern in Europa.

Seine Wege führten ihn schliesslich 1936 nach Dartington Hall in Devon, England und schliesslich 1938 in die USA, wo er bis zu seinem Tode 1955 lebte und unterrichtete, wie auch in verschiedenen Hollywood Filmen mitspielte, unter anderem in Hitchcock's Film Spellbound, für welchen er für einen Oscar nominiert war.

 

 

Warum aber seine Methode studieren?

Hier möchte ich von meinem eigenen Weg zu Tschechow erzählen. 

Ich studierte Musical an der Universität der Künste Berlin und im Bezug auf Schauspiel wurde uns eine Mischung aus allem unterrichtet. Während meines Studiums stießen wir auf eine Geschichte die mir schnell half, dass ich leicht an "negative Gefühle" rankam. Also war klar, dass ich diese Geschichte immer benutzen würde, sobald ich eine traurige Szene zu spielen hätte. Vielleicht kennt der eine oder andere Kollege das auch.

2013 spielte ich dann auf einer Bühne vor 2000 Zuschauern und ich werde den Moment nie vergessen. In dem Stück gab es eine Szene in der meine Rolle und seine Geliebte zum Tode verurteilt wurden. Krampfhaft versuchte ich nun wieder mich an meine Geschichte zu erinnern, doch plötzlich geschah etwas anderes. Ich spürte wie eine Stimme in mir ganz laut Stopp schrie. Ich wollte und konnte das nicht mehr. Ich sah mich komplett nackt vor diesen 2000 Menschen und merkte, dass meine Psyche nicht mehr an diese Vergangenheit ran wollte und vor allem nicht vor so vielen Leuten.

Nun sah ich also ein Problem. Wie könnte ich dann Emotionen abrufen?

Ich machte mich nun also auf den Weg um Antworten zu finden und dies brachte mich zu den unterschiedlichsten Lehrern mit den unterschiedlichsten Methoden. Ich lernte viele neue Dinge kennen, die mir Spass machten und die ich interessant fand, aber so wirklich konnte ich die Dinge nicht benutzen. Ein Coach half mir bei einer Vorbereitung für einen Film und wir arbeiteten mit "As if". Ich sollte mir nun also vorstellen, dass mein Antagonist im Film die negativen Aspekte einer Person aus meinem Privatleben beinhaltet. Nun hatte ich wieder ein Problem:

"-Aber der Antagonist ist doch nicht die Person aus meinem Privatleben, beide sind doch komplett unterschiedlich.        -Nein, natürlich nicht. Du sollst dir ja nur vorstellen als ob er so sei.

-Ja, aber er ist es doch nicht.

-Deshalb ja auch als ob...

-Aber wenn ich nur die negativen Aspekte nehme, ist es doch wieder eine ganz andere Person, als die aus meinem Privatleben, dann bringt es doch nichts, wenn ich mir die Person aus meinem Privatleben vorstelle...

-Na deshalb ja auch Als ob... ?!?"

Oder auch noch eins meiner Lieblingszitate eines Coaches: "Für die Liebeszene stelle dir einfach vor, dass deine Partnerin ein Hund ist, oder Schokolade. Ich denke immer an Marmorkuchen, das hilft mir, dass ich mich in die andere Person verliebe."

An dieser Stelle möchte ich kurz anmerken: was immer für dich funktioniert, ist total richtig. Ich beschreibe hier lediglich meinen Weg und meine Probleme, die ich mit anderen Methoden hatte und vielleicht fühlt sich ja jemand darin verstanden und ist interessiert daran andere Wege kennenzulernen.

 

Nun geschah es also, dass ich Jörg Andrees kennenlernen durfte und unser gemeinsamer Weg erst einmal nach Dublin führte. Ich muss gestehen, dass mir die anfängliche Zusammenarbeit mehr als schwer fiel. Warum machen wir immer wieder diese komischen Bewegungen von Ausdehnen und Zusammenziehen? Was hat das mit Schauspiel zu tun? 

Ich mag Hunde und Schokolade sehr. Vielleicht hätte ich doch dabei bleiben sollen.

Stets brachte er mich an meine Grenzen, ich spürte jedoch stets, dass egal wie schwer mir diese Methode auch anfänglich fiel, ich in ihr die absolute Wahrheit des Künstlerdaseins fand.

Langsam fand ich wieder Lust am Spielen und nicht nur das, ich empfand auch immer größere Lust die "negativen Gefühle" zu spielen, denn kaum war ich von der Bühne wurde mir klar, dass ich wieder Dominik bin und nicht die Welt der Rolle mit mir herumschleppen muss, sondern sie dann Abrufe, wenn sie benötigt wird. Plötzlich wurde mir immer klarer, dass die Methode nicht nur mich als Schauspieler veränderte, sondern auch mich als Mensch.

Dank all dieser wunderbaren Erfahrungen in den letzten Jahren wurde für mich schnell klar, dass ich diese Methode an Kollegen weitervermitteln möchte. Sie ist nicht nur spielerisch (Schau-spieler), macht Spaß, sondern auch unglaublich effektiv.

In den letzten Jahren hatte ich auch das Privileg mit den sogenannten anderen Masterteachern zu lernen, zu denen Ted Pugh & Fern Sloan, Lenard Petit, David Zinder, Sarah Kane, Jobst Langhans, Ragnar Freidank gehören.